
Wir bei ASI Reisen arbeiten für die Umsetzung unserer Reisen eng mit Partnern zusammen, die unsere Vorstellung von verantwortungsvollem Reisen teilen. Einer davon ist S-Cape in Spanien und Portugal. Unsere Head of Sustainability & Impact, Nia, hat sich mit Ángel Álvarez unterhalten, der bei S-Cape für Dokumentation und Nachhaltigkeit zuständig ist. Herausgekommen ist ein sehr ehrliches Gespräch über Dörfer, die aussterben – und warum Wandern und Radfahren daran etwas ändern können.
“Nachhaltigkeit war von Anfang an da” – Ein Gespräch mit Ángel Álvarez von S-Cape Spanien & Portugal
Nia: Ángel, fangen wir ganz vorne an. Warum ist Nachhaltigkeit für S-Cape überhaupt so wichtig? Was bringt das den Menschen vor Ort oder der Natur?
Ángel: S-Cape gibt es jetzt seit über 30 Jahren und angefangen haben wir ausschließlich mit Wander- und Radreisen in Naturgebieten. Damals hat noch niemand groß von „Nachhaltigkeit“ gesprochen, das Bewusstsein dafür war ganz anders als heute. Aber im Grunde haben unsere Reisen schon damals wenig Spuren hinterlassen, einfach weil wir zu Fuß und mit dem Rad unterwegs waren – ganz ohne Mietwagen oder Inlandsflüge.
S-Cape hat sechs Büros in Europa, aber ich schreibe dir aus unserem Büro in Spanien, deshalb erzähle ich am liebsten von unseren Erfahrungen hier. Wir sitzen in Arenas de Cabrales, einem kleinen Ort in Asturien, im Norden Spaniens. Das ist eine sehr ländliche Gegend, in der Tourismus – wenn man es richtig macht – wirklich etwas für die lokale Wirtschaft bewegen kann.
Wir arbeiten mit kleinen, familiengeführten Unterkünften, mit Taxifahrern und regionalen Anbietern zusammen und sorgen so für Einkommen in Gemeinden, die sonst mit Abwanderung zu kämpfen hätten. Gleichzeitig sind unsere Reisen so gestaltet, dass man die Landschaft respektvoll erlebt – zu Fuß oder mit dem Rad – und sie damit auch für kommende Generationen erhalten bleibt.

Nia: Und wie sieht das konkret aus – wie fließt Nachhaltigkeit bei euch ins Produkt selbst ein?
Ángel: Ganz praktisch: Wo es Züge oder öffentliche Busse gibt, setzen wir auf diese statt auf Taxifahrten – das reduziert vermeidbare Kilometer im Auto. Außerdem achten wir darauf, dass alle Reiseinformationen für unsere Gäste klar, aktuell und leicht verständlich sind – das hilft, unnötige Umwege oder Ressourcenverschwendung zu vermeiden.
Uns ist wichtig, dass wir bevorzugt mit lokalen Anbietern, Unterkünften und Dienstleistern zusammenarbeiten, damit der wirtschaftliche Nutzen des Tourismus auch wirklich in der Region bleibt. Und für uns gehört der soziale Aspekt genauso dazu wie der ökologische: Wo möglich, planen wir Routen, die überlaufene Orte umgehen, und lenken den Blick stattdessen auf weniger bekannte Ziele. Das nimmt Druck von den Hotspots und sorgt gleichzeitig für ein authentischeres Erlebnis.

Nia: Was macht eure S-Cape-Reisen für dich dadurch besonders?
Ángel: Für mich ist das Besondere, dass Nachhaltigkeit bei uns nie nachträglich „draufgesetzt“ wurde, sondern von Anfang an mitgedacht war. Wenn man hier arbeitet, merkt man schnell: Wir zeichnen nicht einfach Routen auf einer Karte ein. Wir überlegen uns, wie sich Menschen durch eine Gegend bewegen, wem sie begegnen und was sie hinterlassen – hoffentlich vor allem gute Erinnerungen.
Bei uns heißt das zum Beispiel: eine Nacht in einer kleinen, familiengeführten Pension verbringen, abends etwas mit lokalen Zutaten essen und am nächsten Tag durch Orte wandern, in denen sich Tourismus noch wie ein Gast anfühlt – nicht wie der Hausherr. Beim langsamen Reisen kommt auch etwas sehr Persönliches dazu. Wenn du wanderst oder Rad fährst, bemerkst du Dinge, die dir sonst völlig entgehen würden: einen Wetterumschwung, ein Gespräch am Wegesrand, ein winziges Dorf. Und genau diese Verbindung macht Menschen, glaube ich, automatisch respektvoller und aufmerksamer.
Tipp: Das Konzept des „langsamen Reisens“ klingt genau nach deinem Geschmack? Wir haben dir Tipps rund um Slow Travel zusammengestellt und zeigen dir weitere tolle Ziele dafür.
Nia: Hast du eine Erfolgsgeschichte, die das besonders gut zeigt?
Ángel: Wenn ich eine auswählen müsste, wären das ganz klar die Routen im Norden Spaniens – der Camino Primitivo, der Camino del Norte oder der Camiño dos Faros. Die Regionen Asturien und Galicien kämpfen seit Langem mit demografischen Herausforderungen. Seit den 1990ern schrumpft die Bevölkerung dort stetig, besonders in den ländlichen Gebieten – zwischen 2001 und 2021 allein um fast 6 %. Gleichzeitig sind viele Dörfer überaltert und Angebote vor Ort verschwinden.
Aber parallel dazu ist etwas Interessantes passiert: Der ländliche Tourismus hat angefangen zu wachsen. Seit Ende der 90er und Anfang der 2000er ist die Zahl der ländlichen Unterkünfte deutlich gestiegen – ein klares Zeichen für einen Wandel in der lokalen Wirtschaft. Routen wie der Camino Primitivo oder der Camino del Norte spielen dabei eine große Rolle. Sie bringen kontinuierlich Reisende durch kleine Dörfer, die sonst kaum auf der Landkarte auftauchen würden. Und das ist kein Massentourismus, sondern genau die Art von Reisenden, die vor Ort übernachten, vor Ort essen und die Erfahrung wirklich schätzen.
2025 hat der ländliche Tourismus in Asturien sogar Rekordzahlen erreicht: über 300.000 Reisende haben in ländlichen Unterkünften übernachtet. Und ein großer Teil unserer Gäste reist genau durch diese und andere Regionen, die vom Bevölkerungsrückgang betroffen sind – wir spielen da also eine echte Rolle.
Man sieht die Wirkung ganz direkt: kleine Hotels, die das ganze Jahr über geöffnet bleiben, Taxifahrer mit regelmäßigen Aufträgen, Gepäcktransport-Services, Restaurants, die sich anpassen. Das schafft Gründe zu bleiben – und das empfinden wir schon als großen Erfolg.

Tipp: Wie wir bei ASI Reisen mit dem Thema „Massentourismus“ umgehen, erfährst du in unserem Beitrag zu unserem Ansatz gegen Overtourism.
Nia: Zum Schluss: Was plant ihr für die Zukunft?
Ángel: Wir haben einiges in Arbeit, wollen dabei aber nichts überkomplizieren. Auf der Umweltseite schauen wir uns gerade genau die CO₂-Emissionen unserer Reisen an – was wir ändern können und wie. Wir arbeiten daran, das transparent darzustellen, damit Reisende informierte Entscheidungen treffen können. Dazu kommen kleine Anstöße wie „Rail-first“-Reisen zu fördern oder auch die erste und letzte Meile einer Reise stärker mitzudenken.
Wir möchten außerdem direkter etwas zurückgeben. Eine Idee, die wir gerade umsetzen: ein kleiner Beitrag pro Buchung, der in Natur- und Nachhaltigkeitsprojekte fließt.
Auch intern tut sich einiges: Wir richten alle unsere Lieferanten an unseren Nachhaltigkeitsstandards aus, überarbeiten den Verhaltenskodex unserer Guides (unter anderem zu Plastiknutzung und verantwortungsvollem Verhalten) und arbeiten daran, das Ganze transparenter zu machen – inklusive einer neuen Nachhaltigkeitsseite, auf der alles klarer und verständlicher aufbereitet ist.
Nichts Revolutionäres über Nacht also, sondern viele kleine, konsequente Schritte in die richtige Richtung. Was am Ende ja auch genau das ist, worum es bei Nachhaltigkeit geht.









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